Neue Bäume auf dem Gärtnereigelände

Dieses Wochenende haben wir viele neue Bäume in der Gärtnerei gepflanzt! An drei Tagen sind wir zwei verschiedene Projekte angegangen: eine Wind- und Naturschutzhecke und eine kleine Streuobstwiese. Unterstützt und gefördert wurde diese Aktion von der Oberen Naturschutzbehörde Marburg-Biedenkopf. Leider konnten wir doch nicht, wie geplant, eine größere Mitgliederaktion daraus machen, da die Pandemie es weiterhin nicht erlaubt, größere Menschenmengen zusammenkommen zu lassen…

Doch was ist eine Streuobstwiese und warum sind Hecken wichtig für den Naturschutz? Eine Streuobstwiese ist eine traditionelle Form des Obstanbaus. Bei Streuobst werden nur hochstämmige Obstsorten verwendet, welche besonders alt werden, allerdings auch länger brauchen, um in den Ertrag zu gehen. Zudem werden vielfältige Arten und Sorten verwendet. Von den insgesamt 19 Hochstammbäumen haben wir sie sieben verschiedene Apfelsorten, drei verschiedene Birnensorten, zwei Pflaumensorten und zwei Kirschsorten gepflanzt. Alle in einem Abstand von 10x10m, damit die Bäume genug Platz haben, wenn sie einmal größer werden. Durch die Integration von Obstbäumen auf einer Wiese oder Weide, wird die Streuobstwiese zu einer sehr artenreichen Kulturlandschaft. Sie ist ein sehr wichtiger Lebensraum für viele Vögel und Gliederfüßer (z.B. Insekten oder Spinnen). Es entstehen quasi zwei Lebensräume, die Baumkrone und die Wiesenlandschaft mit seltenen Gräsern, Kräutern und Stauden. Viele Arten leben und ernähren sich von Streuobstwiesen. Leider sind die Streuobstbestände in Deutschland stark rückgängig, da sie eine Menge Pflege benötigen und nicht so viel Ertrag bringen wie moderne Obstanlagen.

Doch nach einigen Jahren Baum- und Wiesenpflege werden wir dann viele verschiedene Obstsorten ernten, aus denen Tafelobst, Saft oder andere leckere Produkte entstehen werden!

Die zweite Naturschutzmaßnahme an diesem Wochenende war die Pflanzung einer Wind- und Naturschutzhecke. Windschutz, damit der starke Westwind, der häufig über den Acker der Gärtnerei fegt, abgeschwächt wird und so nicht so schnell die Böden austrocknen lässt. Doch warum werden manche Hecken als Naturschutz gewertet? Hecken sind seit einigen jahrhunderten fester Bestandteil der anthropogenen Kulturlandschaft. Anfangs wurden sie als Begrenzung zu Flächen anderer Bäuer*innen und Höfe gepflanzt. Sie dienten zudem als Brennholzquelle. Doch recht bald entwickelten sich hecken zu einem Habitat für viele Wildtiere. Das Kleinklima innerhalb von Hecken ergibt einen wertvollen Lebensraum für Tiere, Hecken filtern Staub und Abgase, sind lärmdämpfend und auch sehr schön anzusehen. Für das Gemüse ist eine Hcke nicht nur ein Windschutz, sondern auch ein Habitat für Nützlinge, die den Schädlingsbefall klein halten können.

Bei der Auswahl der Bäume und Sträucher haben wir uns nach den Empfehlungen des NABU gerichtet. Insgesamt sind zwölf verschiedene autochthone (heimische) Arten in der Hecke gepflanzt worden, da viele Ziersträucher wertlos für Wildtiere sind, sind in der Auswhal Pflanzen wie Schlehe, Weißdorn, Traubenkirsche, Eberesche, Hundsrose, Kornelkirsche, Hartriegel oder Felsenbirne gelandet. Wusstet ihr, dass zum Beispiel von der heimischen Stieleiche rund 300 Insekten- und 28 Vogelarten leben, dagegen von der eingebürgerten Rosskastanie nur noch vier Insekten- und zwei Vogelarten?

Die Sträucher wurden in drei Reihen mit 1,50m Reihenabstand und 1-1,50m Pflanzabstand gepflanzt. Dabei haben wir darauf geachtet, Sträucher der gleichen Art zusammen zu pflanzen, damit sie sich gut entwickeln, da die unterschiedlichen Sträucher unterschiedliche Höhen und wüchsig sind.

Wir hoffen, dass diese Maßnahmen dauerhaft dazu beitragen, auf dem Gelände eine größere Biodiversität zu erhalten und dass sich hier viele Arten wohlfühlen können. Außerdem wollen wir nach der Pandemie gerne mit mehr Menschen solche Aktionen durchführen!